“Eltern raus“ als Sanierungsstrategie?

Ein bekannter Modediscounter muss Stellen abbauen. Das ist immer ein heikles Thema für alle, die es trifft. Nach welchen Kriterien aber kann eine Sozialauswahl mhalbwegs fair erfolgen? Sicher nicht so, dass man bevorzugt Mitarbeiter in Elternteilzeit entlässt.

H&M möchte in allen Filialen Personal einsparen, die zu wenig Umsatz erwirtschaften. Über ein freiwilliges Abfindungsprogramm weist man daher derzeit angeblich Mitarbeitern Edie Tür. Aus Sicht des Unternehmens sind die Gründe nachvollziehbar: Mitarbeiter mit kleinen Kindern, erst recht, wenn sie alleinerziehend sind, können nicht gut am späten Abend oder an den Wochenenden arbeiten. Aber müsste man nicht eher versuchen, familienfreundlicher zu werden und Arbeitszeitenregelungen zu ermöglichen, die sich an die familiären Gegebenheiten anpassen statt diese Anpassung umgekehrt von den Familien zu verlangen?

Das Unternehmen begründet seine Entscheidung, die es gleichzeitig allerdings auch dementiert hat, mit dem erklärten Ziel, so viele Arbeitsplätze wie möglich zu erhalten. Dabei müsse man eben auch schwierige Entscheidungen treffen. Der geplante Abbau von 800 Stellen entspricht 5% aller KollegInnen in ganz Deutschland. Mit dem freiwilligen Programm sollen betriebsbedingte Kündigungen vermieden werden. Wenn nicht genügend Freiwillige gefunden werden, soll eine Sozialauswahl getroffen werden, die Väter und Mütter mit besonderen Härten schützt. Das Kündigungsschutzgesetz schützt Angestellte in Elternzeit zwar besonders, allerdings können sie danach wie alle anderen ihren Job verlieren.

Wenn die Wirtschaft zur alten Stärke zurückgefunden hat, werden Unternehmen wieder eher das Problem haben, in diesen traditionell schlecht bezahlten Jobs gute Mitarbeiter zu finden. Perspektivisch wäre jedes Unternehmen daher gut beraten, langfristige Pläne zu fördern und gute Mitarbeiter zu binden. Situative Kündigungen gehören nicht zu einer klugen Strategie und die in anderen Zusammenhängen so vielzitierte Nachhaltigkeit geht anders!

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